Vorträge


Fortbildungen KJP

In Zeiten von äußerer und innerer Bedrohung, wenn Kampf und Flucht nicht mehr möglich sind, unterstützt uns unser angeborenes Bindungssystem. Wir durchleben gerade eine solche Zeit, in der die "Krise" zum Dauerzustand wird. Es ist ganz normal, dass wir dann körperliche Nähe, Schutz und Sicherheit bei unseren Bindungspersonen suchen. Dieses Verhalten hilft uns in der Regel, unseren Stress gut zu bewältigen. Was aber passiert, wenn wir mit der Bedrohung durch einen unsichtbaren "Virus-Feind" konfrontiert sind, den wir individuell weder bekämpfen und vor dem wir auch nicht fliehen können. Selbst unsere sicherste Bindungsperson, nach der wir uns am meisten in unserer Angst sehnen, könnte uns mit dem potentiell tödlichen Virus anstecken und daher eher eine Bedrohung denn einen Schutz für uns darstellen. Und umgekehrt könnten wir unsere Bindungspersonen anstecken und dadurch unsere eigene sichere Basis gefährden.

Welchen zusätzlichen Stress lösen "social distancing" und "lockdown" als staatlich verordnete Bewältigungsstrategie in uns aus? Und was passiert, wenn die Bindungspersonen, auf die wir uns sonst verlassen können, selbst von ihren Ängsten überwältigt werden, etwa wegen ökonomischer Sorgen, Langzeitarbeitslosigkeit und Erkrankung? Menschen dürfen in ihrer Angst nicht mehr zu ihren Bindungspersonen aus Schutz vor potentiell wechselseitiger Ansteckung; umgekehrt dürfen Bindungspersonen ihren Liebsten in existentieller Not nicht mehr beistehen. Dies bedeutet, dass das Bindungssystem und das angeborene Schutzkonzept sich ins Gegenteil verkehren, weil Bindungsnähe plötzlich eine tödliche Gefahr bedeuten kann. Wir sind auf einmal sehr auf uns selbst zurückgeworfen und könnten sozial wie emotional in die Isolation geraten. Welche psychischen Krisen werden hierdurch bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Paaren und Familien ausgelöst? Wie reagieren etwa psychisch kranke, zuvor schon bindungsunsichere, traumatisierte Menschen? Wie können wir in Begleitung, Beratung und Psychotherapie hierauf reagieren und welche sozialen Maßnahmen sind aus der Perspektive der Bindungstheorie dringend notwendig?

Der rasche gesellschaftliche Wandel in der digitalisierten und globalisierten Welt eröffnet dem Individuum ungeahnte neue Chancen, ermöglicht veränderte Lebens- und Beziehungsformen, geht aber auch mit neuen Formen der Krise, des Leidens und des Scheiterns einher. Mehr und mehr sehen sich BeraterInnen und TherapeutInnen mit Menschen konfrontiert, die sich dem Druck zu Beschleunigung, Flexibilität und Selbstoptimierung nicht mehr gewachsen fühlen. Klassische psychiatrische Krankheitsbilder verschwimmen mit diffusen Gefühlen von Überforderung, Erschöpfung, Traurigkeit, Scham und Selbstzweifeln.

Der Vortrag behandelt Verunsicherungen und Identitätsprobleme moderner Menschen vor allem im Hinblick auf aktuelle Fragen von Partnerschaft, Familie, Erziehung und Geschlechtsidentität, will aber auch Möglichkeiten der Stärkung von Ressourcen, der Unterstützung und des Empowerments im Umgang mit Rat und Hilfe suchenden Menschen aufzeigen.

Symbolisierung- die Fähigkeit, unterschiedliche Symbole hervorzubringen und zu verwenden - ist ein grundlegender Vorgang der menschlichen Psyche und unmittelbar mit der seelischen Reifung von Kindern und Jugendlichen verknüpft. Von den frühesten sensomotorischen Schemata bis zur Begriffsbildung, von den ersten Affektäußerungen bis zum Spiel und zur reifen Phantasie und Kreativität, von den Triebansprüchen bis zur Sublimierung, von kollektiven Symbolen bis zur individuellen Symbolik im Traum, von den ersten präverbalen Objektbildern bis zur Separation – alle diese Entwicklungslinien lassen sich ohne Symbolisierungen nicht vorstellen.

Der Vortrag wird auf einige Schwerpunkte der Symbolisierungsprozesse eingehen, und wie man sie in psychodynamischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapien fördern und unterstützen kann.

Die Motivation für die Entwicklung der Elternschaftstherapie in der Institution "Mütterhilfe Zürich" (Garstick, 2011) entstand unter anderem aus meiner langjährigen psycho-therapeutischen Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern im stationären Rahmen. Wenn es in der Elternarbeit gelang, mit den Eltern den Beginn ihrer Beziehungs- und Familiengeschichte zu erinnern, dann waren es nicht selten die Väter, die spontan äußerten, "… solch ein Gespräch hätten wir schon damals haben sollen."

In der Stiftung Mütterhilfe halfen mir engagierte SozialarbeiterInnen und PsychologInnen eine fokussierte therapeutische Arbeit mit Paaren aufzubauen, die während der Schwangerschaft und in der neuen Lebensphase als Eltern von Babys und Kleinkindern in Schwierigkeiten geraten waren. Damit eine gute Qualität von sicheren Bindungsbeziehungen in einer Familie möglich und diese zum triadischen Entwicklungsraum für gesunde bio-psychosoziale Entwicklung der Kinder wird, sollten daher Frauen und Männer, die Eltern geworden sind, eine Orientierungshilfe in einem fexibel gestalteten therapeutischen Setting erfahren. Die psychoanalytischen Entwicklungstheorien in Kombination mit der Bindungstheorie und Affektforschung liefern eine ausgezeichnete Basis für psychodynamisch orientierte, fokussierte therapeutische Arbeit.

In diesem Vortrag wird der Prozess einer Klientin beschrieben, die durch die therapeutische Arbeit ihr selbstverletzendes Verhalten heilen und durch das Schreiben ihre Sprachlosigkeit über das traumatische Geschehen überwinden konnte.

In meinem Vortrag möchte ich darüber referieren, wann und wie ich in meinem Leben traumatischen Störungen begegnet bin, und wie ich sie behandelt habe. Ich bin traumatisiertes Kriegskind und habe über die Behandlung meiner Traumata zur Psychoanalyse gefunden.

Zunächst werde ich die ambulante Behandlung einer Jugendlichen mit Borderline-Störung vorstellen, die als Kleinkind vom Großvater missbraucht worden war. Danach will ich über Traumata im stationären Setting berichten, mit Gewalttätigkeit und Affektdurchbrüchen, und schließlich aus der Supervision einer Psychotherapie eines Flüchtlingskindes. Ich stelle fest, dass in vielen Behandlungen nicht immer alle Möglichkeiten der Psychoanalyse ausgeschöpft werden, sondern – vermeintlich – kürzere Behandlungswege gesucht werden.

Am Beispiel verschiedener, in neuerer Zeit gehäuft auftretender psychischer Störungsbilder bei Kindern und Jugendlichen wird versucht, Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und der Zunahme bestimmter psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter herzustellen. Möglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher psychotherapeutischer Behandlungsansätze werden dargestellt.

Montag: Gesellschaftliche Hintergründe psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter
Dienstag: Selbstverletzendes Verhalten, Substanzmissbrauch
Mittwoch: Externalisierendes, destruktives Verhalten
Donnerstag: Sexuelle Identitätsstörungen
Freitag: Anorexia/Bulimia Nervosa

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)

Das Lindau-Programm vereint schulen- und generationsübergreifend eine hohe fachliche Kompetenz der Dozentinnen und Dozenten.


Veranstalter

KIKT Akademie e.V.
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