Vorträge

Hier finden Sie unseren Wochenplan (pdf-Dokument)


Der Vortrag befasst sich mit psychodynamischen Therapien bei Kindern und Jugendlichen. An Fallbeispielen sollen die theoretischen Grundlagen verdeutlicht werden. Besprochen wird die Funktion des Rahmens und des therapeutischen Spiels.

Sowohl analytische als auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien anerkennen das Unbewusste mit seinen Manifestationen. Im Mittelpunkt der Behandlungspraxis stehen die zentralen Essentials Neutralität und Abstinenz, Übertragung und Gegenübertragung.

Entwicklungs- und Bindungsforschung sowie neurobiologische Erkenntnisse zum „Embodiment“ weisen zunehmend mehr auf die lebenslang prägenden und komplex wirkenden Einflüsse nonverbaler Beziehungsgestaltungen hin, vor allem in den ersten drei Lebensjahren.

Frühe Beziehungserfahrungen schlagen sich direkt im proceduralen Gedächtnis bzw. im „Körpergedächtnis“ nieder, wodurch sich u. a. das Phänomen des „transgenerationalen Transfers“ erklären lässt: Das vernachlässigte Kind wird selbst zur vernachlässigenden und verzweifelten (jungen) Mutter, die zur eigenen Stabilisierung und Identitätsfindung ein Kind bekommt, statt sich pubertierend von einer (sicheren) Ursprungsfamilie abzulösen.

Schon prä-, peri-und postnatal wirkt sie unbewusst durch mangelnde selbst- und fremdbezogene Spannungsregulation und/oder rhythmisch-dynamische Fehlanpassungen negativ auf ihren Säugling ein, insbesondere auf dessen primäre Adaptionsfähigkeit, was retardierende oder traumatisierende Auswirkungen auf das Baby hat.

Im Vortrag wird ein interaktionsanalytischer, psychodynamischer Behandlungsansatz von jugendlichen, meist schwer beeinträchtigten Müttern mit ihren Säuglingen bzw. Kleinkindern vorgestellt, der eine kontextuelle Sicht auf die frühe Dyade mit psychodynamischer Psychotherapie und nonverbalen Interaktionsanalysen verbindet.

Videoausschnitte aus der klinischen Praxis einer Eltern-/Säuglings-/Kleinkind-Ambulanz im Rahmen eines Medizinischen Versorgungszentrums zeigen auf, wie sich eine integrative psychotherapeutische Arbeit Jugendlicher und ihrer Säuglinge gestalten lässt. 
Spezieller Literaturhinweis: Sabine Trautmann-Voigt und Monika Moll: „Bindung in Bewegung“, 2011, Gießen: psychosozial-Verlag

Die videographierte kindertherapeutische Sitzung wird mit den Mitteln der Konversationsanalyse untersucht, einige klinisch bedeutsame Details werden sichtbar und die Relevanz für die klinische Arbeit unterstrichen.

Digitales Zeitalter - „Always Online“ als Lebensgefühl der jungen Generation

Das Smartphone ist aus dem Alltag der meisten jungen Menschen nicht mehr wegzudenken. Fast alle Jugendlichen nutzen ihr Mobiltelefon, um Onlinedienste aufzusuchen und über „WhatsApp“ und Co. Verbindung zu ihren Peers zu halten.

Der Vortrag beschreibt anhand von Nutzungsstudien das digitale Lebensgefühl, in dem der ständige Gebrauch von Internet-Ressourcen und der permanente Kontakt zu anderen Nutzern prägend für Denken und Handeln geworden sind. Daraus ergeben sich Folgerungen für Psychologie und Psychotherapie, namentlich in der Sichtweise auf das mobile Internet als Herausforderung für die Selbstregulation von Jugendlichen und als Portal für den Zugang zu (entwicklungs-) problematischen Inhalten und Personen.

Selektiver Mutismus zählt als sich in der Kindheit manifestierende Störung, die die Redefähigkeit in fremden Situationen betrifft, die mit Angststörung und oder mit sozialer Phobie in Verbindung steht.

In diesem Vortrag wird die Störung definiert, ihr Erscheinungsbild skizziert, Ätiologie und Risikofaktoren aufgezeigt. Integrative Möglichkeiten zur diagnostischen Erfassung sowie therapeutisch-pädagogische Möglichkeiten werden aufgefächert, die die Effizienz der interdisziplinären Zusammenarbeit vor Augen führen sollen.

In der psychotherapeutischen Praxis navigieren wir mit theoretischen Prämissen, pragmatischen Handlungsregeln, methodischen Möglichkeiten und erfahrungsgeleiteter Intuition.

Die therapeutische Praxis gleicht dabei einer individuellen Improvisationskunst. Strukturelle, konzeptionelle und methodische Perspektiven erleichtern dabei das Navigieren und Improvisieren in konzeptionellen Möglichkeitsräumen.

Am Beispiel der Kultur Palaus (Mikronesien) und Tongas (Polynesien) wird die psychosexuelle Entwicklung der Geschlechter aufgezeigt. Das Sozialisationsmodell ist von dem unsrigen völlig verschieden, aber mit Hilfe der Ethnopsychoanalyse verstehbar.

Dualismus (Trennung der Geschlechter beim Essen und Arbeiten), das Tauschprinzip und rituelle Transsexualität und Kannibalismus sind Ausdruck unbewusster Sozialisationskonflikte und sichern die Anpassung an die spezifische Kultur.
Der Vortrag beruht auf eigenen Feldforschungen, die psychoanalytisch interpretiert werden.

Literaturhinweise:
Evelyn Heinemann, Die Frauen von Palau. Zur Ethnoanalyse einer mutterrechtlichen Kultur, Fischer Taschenbuch Geist und Psyche Frankfurt 1995
Evelyn Heinemann, Fakafefine. Männer, die wie Frauen sind. Transsexualität und Inzesttabu in Tonga., Psyche H.5, 52.Jg., 1998

Die menschliche Gehirnentwicklung wird entscheidend von den Interaktionen mit unseren frühesten Bezugspersonen geprägt. Selbstorganisation, Selbstregulation und das Generieren von Sinn sind ebenso Folge der Bindungsentwicklung wie die Fähigkeit zu denken und nahe Beziehungen einzugehen.

Die Vorträge vollziehen die Entwicklung dieser Kompetenzen auf dem Hintergrund neurobiologischer und bindungswissenschaftlicher Forschungsergebnisse Schritt für Schritt nach.

„Es gibt nichts Wunderbareres und Unbegreiflicheres und nichts, was uns fremder wird und gründlicher verloren geht als die Seele des spielenden Kindes."  (Hermann Hesse)

Der Vortrag beschäftigt sich mit der spezifischen Arbeitsweise von psychodynamisch behandelnden Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, die durch handelndes Spiel gekennzeichnet ist, wohingegen sich das Spiel in der Therapie von Erwachsenen nach dem Winnicott'schem Verständnis vornehmlich in verbalen Äußerungen und in Stimmungen zeigt.

Die Vortragenden versuchen aufzuzeigen, gestützt durch eine Expertenumfrage, dass Kinder-und JugendlichenpsychotherapeutInnen spezifische Erfahrungsräume in ihrer Ausbildung benötigen, um ihre therapeutische Spielkompetenz bzw. ihre professionsspezifische Erkenntnis-, Beziehungs- und Dialogmethode “am eigenen Leibe erfahren” (S. Freud, 1916-17a, GW, Bd.11, S.12) zu können.
Um diesen zentralen Aspekt des professionellen Handlungssystems einer Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn anzuerkennen und inhaltlich in die Ausbildung zu integrieren, muss aus Sicht der Vortragenden die klassische Selbsterfahrung um eine professionsspezifische Selbsterfahrung im und mit dem Spiel ergänzt werden.

Dazu stellen die Vortragenden ein praktiziertes und evaluiertes Selbsterfahrungskonzept - "Lehrjahre sind Spieljahre" - vor.
So kann ein Zugang zur eigenen lebendigen persönlichen Kreativität und der individuellen psychotherapeutischen Spiel-Art unterstützt und weiterentwickelt werden, in der handelndes Spiel und die Identität als Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn untrennbar miteinander verbunden sind.

Schlüsselwörter: Handelndes Spiel, psychotherapeutische Spielkompetenz, KJP-Ausbildung, professionsspezifische Selbsterfahrung, psychotherapeutische Spiel-Art, Identität als Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn.

Als Psychotherapeut tätig zu sein, bedeutet sich täglich für die Sorgen-, Konflikt- und Problemsituationen seiner Klienten verantwortlich zu fühlen, die entweder als Last oder als Herausforderung interpretiert wird. In Abhängigkeit der subjektiven Deutung dieser Herausforderung wird die Qualität der emotionalen Bedeutung erlebt, was ein wesentlicher Einflussbereich für Psychohygiene verstanden werden kann. Humor und Geschichten wecken Fähigkeiten, die aus dem Mittelpunkt der Persönlichkeit heraus wächst und können eine Therapeut-Pat.-Beziehung (wie jede andere Beziehung auch) verwandeln.
Humor wirkt als reine Phantasiekraft, die die kindliche Wirkkraft im Erwachsenen wieder weckt und bei Kindern eine spontane Verständigung ermöglicht.

Auf der Basis der Positiven Psychotherapie, die ein Repertoire an Geschichten, Parabeln und Weisheiten zur Verfügung stellt, soll der Humor beiläufig seine Wirkkraft entfalten, die Therapeut-Pat.-Beziehung stärken und als kraftvoller und lebensbejahenden Wirkfaktor genutzt werden.
Im Sinne der Psychohygiene sollen gerade auch Therapeuten in den Genuss der sich entfaltenden Heiterkeit kommen.

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)

Das erste Lindau-Programm vereint schulen- und generationsübergreifend eine hohe fachliche Kompetenz der Dozentinnen und Dozenten.


Veranstalter

KIKT Akademie
Antwerpener Str. 46
50672 Köln


Fax

0221 511797